Abwertungen, der Zündstoff im Konfliktgespräch

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Abwertungen, der Zündstoff im Konfliktgespräch

So erkennst du Abwertungen

Abwertungen verhindern konstruktive Konfliktgespräche. Du solltest sie auf jeden Fall vermeiden. Doch dazu musst du wissen, woran du Abwertungen erkennst. In Konfliktsituationen ist es sehr verlockend, die Sichtweise des Konfliktpartners abzuwerten, indem wir ihn beschuldigen oder ihn lächerlich machen, indem wir seine Äußerungen verdrehen oder verzerren. 

Oder wir hören erst gar nicht hin, was der andere sagt. Mehr dazu hier: Einfühlsames Zuhören in Konfliktgesprächen

Wir wollen nicht akzeptieren, dass da jemand ist, der andere Bedürfnisse und Wertvorstellungen hat, die sich mit unseren nicht vereinbaren lassen. Deshalb bekämpfen wir sie.

Doch genau dieses Verhalten schürt einen Konflikt erst richtig an. Abwertung ist Öl ins Feuer jedes Konfliktgesprächs.

Deshalb ist der erste Schritt zu einem konstruktiven Gespräch, dass wir solche Abwertungen erkennen und vermeiden.

Abwertung kann sowohl verbal wie nonverbal geschehen

Nonverbal können wir Abwertung zeigen durch
– Gesten (Finger an die Stirn tippen, Nachäffen),
– Mimik (Augen verdrehen, Gesicht verziehen, Stirn runzeln),
– Stimme (lauter werdende Stimme, scharfen Ton, Schreien),
– durch unsere Körperhaltung (sich abwenden, wegschauen),
– durch unsere Aktionen (stillschweigenden Rückzug, Türen knallen),
– also alles, was unsere Missachtung deutlich macht.

Verbal können wir unsere Missachtung durch Du-Botschaften ausdrücken. Das sind alle Bewertungen und negative Aussagen über andere Menschen:

  • Das ist ja totaler Quatsch, was du da sagst.
  • Sie sind als Mitarbeiterin nicht weiter tragbar.
  • Pünktlichkeit ist anscheinend nicht deine Stärke.
  • Du hast wohl Tomaten auf den Augen. Nun pass doch mal auf!

Vorsicht bei Satzeinleitungen mit „Ich habe das Gefühl, du…“

Solche Aussagen enden häufig als verkappte Du-Botschaften, denn oft besteht der zweite Satzteil aus einer Abwertung oder Unterstellung:

  • Ich habe das Gefühl, dir ist zuwider, wenn ich wieder mit dem Thema komme.
  • Ich spüre, dass du dich vor dieser Sache am liebsten drücken würdest.
  • Mein Gefühl ist, dass du nicht die Wahrheit sagst.

Mehr dazu >> Drei Irrtümer im Umgang mit Gefühlen

Übertreibungen sind immer Hinweise auf Abwertungen

Mit Wörtern wie „nie, immer, schon wieder, jedes Mal, ständig, typisch für dich, ewig, absolut“ übertreiben wir das (Fehl-)Verhalten des anderen:

  • Sie sind nie da, wenn ich Sie brauche.
  • Du hörst mir schon wieder nicht zu!
  • Das ist typisch für dich: ewig die gleichen Ausreden.

Verallgemeinerungen und Killerphrasen sind auch Abwertungen

Verallgemeinerungen beginnen mit „wir, man, ihr, das, es, hier, keiner, niemand“.

Das Gemeine daran ist: Solche Sätze sind nicht direkt an eine Person gerichtet, sondern unpersönlich formuliert. Deshalb erkennen viele Menschen sie nicht als Abwertung und wissen nicht recht, was sie darauf sagen sollen. Daher werden solche Sätze auch Killerphrasen genannt, weil man erst einmal sprachlos ist und einem kein stichhaltiges Gegenargument einfällt:

  • Wir haben jetzt keine Zeit für langes Palaver. Wir müssen jetzt eine Entscheidung treffen.
  • Das funktioniert bei uns nicht. Das haben wir schon ausprobiert.
  • Hier denkt doch jeder nur an sich. Niemand kümmert sich um den anderen.

In einem eigenen Artikel erfährst du, wie du in Ich-Aussagen sprechen und mit einer konfrontierenden Ich-Aussage Konfliktgespräche einleiten kannst.

Vorsicht auch vor Selbstabwertung

Nicht nur das Abwerten anderer beeinträchtigt ein positives Miteinander. Auch Selbst­abwertung ist problematisch. Mit einem allzu häufig eingeschobenen „eigentlich, vielleicht, ein bisschen, etwas, eventuell“ verlierst du an Überzeugungskraft und schwächst deine Verhandlungsposition.

Hier zwei Beispiele, wie du dich selbstbewusster ausdrücken kannst:

Statt passiv und unbestimmt: Da müsste man mal was ändern.
Aktiv und selbstbewusst: Ich habe folgende Idee, wie wir das Problem anpacken könnten.

Statt selbstabwertend: Ich wollte eigentlich nur sagen …
Aktiver:    Mir ist wichtig, dass… / Mir liegt sehr daran,…

Abwertungen sind eines der größten Kommunikationshemmnisse

Wenn du deinen Ärger in Form von Abwertungen ausdrückst, verschaffst du dir zwar eine kurzzeitige Befriedigung:
„Jetzt habe ich es dem anderen gegeben.“ – Leider geht das aber auf Kosten der Beziehung. Um einen Konflikt zu lösen, braucht es – auch wenn die Situation sehr verfahren ist – ein Mindestmaß an gegenseitiger Wertschätzung. Ohne die Bereitschaft, dich auf die Sichtweise des andern bis zu einem gewissen Punkt einzulassen, ist keine Verständigung möglich.

Mehr dazu hier: >> Ein faires Konfliktgespräch führen

Welche Erfahrungen hast du mit Abwertungen? Ich freue mich über deinen Kommentar.

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