Abwertungen, der Zündstoff im Konfliktgespräch

So erkennst du Abwertungen

Abwertungen verhindern konstruktive Konfliktgespräche. Sie sind das Gift jeder guten Kommunikation. Doch gerade in Konfliktsituationen ist es sehr verlockend, die Sichtweise des Konfliktpartners abzuwerten. Wie machen wir das?

Wir beschuldigen ihn, für die gemeinsamen Probleme verantwortlich zu sein. Oder wir machen unser Gegenüber lächerlich, indem wir seine Äußerungen verdrehen, übertreiben, ihn nachäffen und böse Absichten unterstellen. An Möglichkeiten, den anderen ins schlechte Licht zu setzen, mangelt es nicht.

Deshalb ist die erste Voraussetzung für konstruktive Konfliktgespräche, Abwertungen zu erkennen.

1. Wir können sowohl verbal abwerten als auch durch unsere Körpersprache

Verbal können wir unsere Missachtung durch Du-Botschaften ausdrücken. Das sind alle Bewertungen und negative Aussagen über andere Menschen:

  • Das ist ja totaler Quatsch, was du da sagst.
  • Sie sind als Mitarbeiterin nicht weiter tragbar.
  • Pünktlichkeit ist anscheinend nicht deine Stärke.
  • Du hast wohl Tomaten auf den Augen. Nun pass doch mal auf!

Nonverbal – also durch unsere Körpersprache und unser Verhalten können wir abwerten durch

  • Gesten (Finger an die Stirn tippen, Nachäffen)
  • Mimik (Augen verdrehen, Gesicht verziehen, Stirn runzeln, hämisches Lachen)
  • Stimme (lauter werdende Stimme, scharfen Ton, Schreien)
  • durch unsere Körperhaltung (Sich abwenden, Wegschauen)
  • durch Aktionen (Nichtreagieren, Türen knallen, schweigend aus dem Raum gehen)

2. Vorsicht bei Satzeinleitungen mit „Ich habe das Gefühl, du…“

Solche Aussagen enden häufig als verkappte Du-Botschaften, denn oft besteht der zweite Satzteil aus einer Abwertung oder Unterstellung:

  • Ich habe das Gefühl, dir ist zuwider, wenn ich wieder mit dem Thema komme.
  • Ich spüre, dass du dich vor dieser Sache am liebsten drücken würdest.
  • Mein Gefühl ist, dass du nicht die Wahrheit sagst.
  • Ich habe das Gefühl, du hörst mal wieder überhaupt nicht zu. Ich rede da gegen eine Wand.
  • Mein Gefühl ist, du nimmst mich überhaupt nicht ernst. 

Mehr dazu >> Drei Irrtümer im Umgang mit Gefühlen

3. Übertreibungen sind oft Hinweise auf Abwertungen

Mit Wörtern wie „nie, immer, schon wieder, jedes Mal, ständig, typisch für dich, ewig, absolut“ übertreiben wir das (Fehl-)Verhalten des anderen:

  • Sie sind nie da, wenn ich Sie brauche.
  • Nie lässt du mich ausreden.
  • Ständig schaust du auf dein Smartphone. Das nervt!
  • Du bist ein totaler Träumer und kennst die Realitäten nicht.
  • Das ist typisch für dich: ewig die gleichen Ausreden.

4. Verallgemeinerungen und Killerphrasen sind auch Abwertungen

Verallgemeinerungen beinhalten oft Abwertungen, sind für viele aber nicht als solche zu erkennen. Sie beginnen scheinbar harmlos mit „wir, man, ihr, das, es, hier, keiner, niemand“.

Das Gemeine daran ist: Solche Sätze sind nicht direkt an eine Person gerichtet, sondern unpersönlich formuliert. Deshalb erkennen sie viele Menschen nicht als Abwertung, spüren aber sehr wohl, dass die Aussage abwertend gemeint ist. Daher werden solche Sätze auch Killerphrasen genannt, weil man erst einmal sprachlos ist und einem kein stichhaltiges Gegenargument einfällt:

  • Wir haben jetzt keine Zeit für langes Palaver.
  • Das funktioniert bei uns nicht. Das haben wir schon ausprobiert.
  • Hier denkt doch jeder nur an sich. Niemand kümmert sich um den anderen.
  • Keiner will hier die Verantwortung übernehmen. Immer muss ich das machen.

Eine gute Reaktion ist in diesem Fall, die Person zu fragen:
Wen meinst du genau? Was möchtest du, was jetzt geschieht? Was willst du, dass ich tue?

Mehr dazu hier: >> Ein faires Konfliktgespräch führen

5. Vorsicht auch vor Selbstabwertung

Nicht nur das Abwerten anderer beeinträchtigt ein positives Miteinander. Auch Selbst­abwertung ist problematisch. Mit einem allzu häufig eingeschobenen „eigentlich, vielleicht, ein bisschen, etwas, eventuell“ verlierst du an Überzeugungskraft und schwächst deine Verhandlungsposition.

Hier zwei Beispiele, wie du dich selbstbewusster ausdrücken kannst:

Statt passiv und unbestimmt: Da müsste man mal was ändern.
Aktiv und selbstbewusst: Ich habe folgende Idee, wie wir das Problem anpacken könnten.

Statt selbstabwertend: Ich wollte eigentlich nur sagen …
Aktiver:    Mir ist wichtig, dass… / Mir liegt sehr daran,…

Abwertungen sind eines der größten Kommunikationshemmnisse

Wenn du deinen Ärger in Form von Abwertungen ausdrückst, verschaffst du dir zwar eine kurzzeitige Befriedigung:
„Jetzt habe ich es dem aber gegeben.“ – Leider geht das aber auf Kosten der Beziehung.

Um einen Konflikt zu lösen, braucht es – auch wenn die Situation sehr verfahren ist – ein Mindestmaß an gegenseitiger Wertschätzung.


Welche Erfahrungen hast du mit Abwertungen?

Ich freue mich über deinen Kommentar und wenn du diesen Artikel weiter empfiehlst.

2 Kommentare
  1. Lilith sagte:

    Treffe mich heute mit einer alten Freundin mit der ich vor einigen Monaten im Streit auseinander gegangen bin. Suche deswegen jetzt überall nach möglichst vielen Tipps um das Gespräch so ruhig und fair wie möglich zu gestalten. Danke deswegen für die tollen Beiträge – die definitiv von mehr Menschen auf diesem Planeten gelesen werden sollten.

    Antworten
    • Karin Mager sagte:

      Hallo Lilith,
      Ich freue mich sehr, dass meine Artikel für dich hilfreich sind. Es sollen, wenn ich von einer längeren Reise zurück bin, auch noch mehr werden in diesem Jahr. Schau also in ca. 3 Monaten wieder einmal vorbei.

      Ich hoffe das Gespräch mit deiner Freundin war erfolgreich. Du kannst hier gerne auch Fragen stellen zu konkreten Kommunikationsproblemen. Ich greife so etwas sehr gerne auf, um bestimmte Punkte noch mehr zu verdeutlichen.

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