Drei Irrtümer im Umgang mit Gefühlen

Drei Irrtümer im Umgang mit Gefühlen

Typische Fallen beim Ausdrücken von Gefühlen

Vorsicht Gefühle! Konfliktgespräche sind in der Regel mit starken Gefühlen verbunden. Doch beim Umgang mit Gefühlen gibt es viele Missverständnisse. In diesem Beitrag geht es um die drei Irrtümer im Umgang mit Gefühlen.

Ein häufiger Anlass für Konflikte ist, dass ein wichtiges Bedürfnis nicht erfüllt wird. Du bekommst beispielsweise zu wenig Aufmerksamkeit oder Zuwendung. Oder du hast andere Wertvorstellungen als dein Partner oder dein Kind und möchtest gern Einfluss nehmen auf sein Verhalten. Auf solche Dissonanzen reagieren viele Menschen mit heftigen Gefühlen von Verärgerung bis hin zur Wut oder sie sind traurig, weil ihre Erwartungen enttäuscht wurden. Im Umgang mit Gefühlen müssen wir noch viel lernen, denn die Verlockung ist groß, Gefühle entweder sehr heftig auszudrücken und mit Vorwürfen an andere zu verknüpfen oder das Gefühl zu verbergen und mit versteckten Racheaktionen die Frustration auszudrücken. Konflikte werden dadurch nicht gelöst, sondern verschlimmert. Wie kommst du aus diesem Teufelskreis heraus?

1. Irrtum beim Umgang mit Gefühlen: Ausagieren und verbergen

Viele Menschen wissen nicht, wie sie ihre Gefühle direkt und konstruktiv ausdrücken können. Sie agieren sie stattdessen häufig aus – direkt oder indirekt. Direktes Ausagieren erfolgt durch eine aggressive Mimik (Augen verdrehen), Gestik (Vogel zeigen) und Aktionen wie Schimpfen, Schreien, Türen knallen oder sogar körperliche Gewalt. Das mag für das Gegenüber einschüchternd sein, doch zumindest ist offensichtlich, wie der andere fühlt.

Schwieriger ist oft der indirekte Ausdruck von Gefühlen: Menschen verbergen oft ihre Gefühle, weil sie gelernt haben, dass diese nicht okay sind. Stattdessen sind sie verstimmt, beleidigt, „mauern“ oder planen versteckte Racheaktionen („Dem zeige ich’s!“). Der Ärger wird nicht offen ausgedrückt, der Konflikt kommt nicht zur Sprache bringen, doch auf indirekte Weise ist die Missstimmung zu spüren und hat unangenehme Folgen. Denn du wirst nicht an den anderen heran kommen, wenn du zwar die Spannung spürst, die in der Luft liegt, dein Gegenüber aber behauptet: „Nein, es ist alles in Ordnung.“

Was kannst du in diesem Fall tun?

Ein guter Weg aus diesem Dilemma ist immer, den Teufel bei den Hörnern zu packen und den Konflikt anzusprechen. Siehe Ein faires Konfliktgespräch führen

2. Irrtum beim Umgang mit Gefühlen: Verquere „Gefühls“-Aussagen

Wir verwenden gern Satzeinleitungen wie „Ich fühle, dass du…“ oder „Ich habe das Gefühl…“ und glauben, damit eigene Gefühle auszudrücken. Doch oft kommt danach ein Vorwurf oder eine Unterstellung, also eine Du-Botschaft.

  • Ich habe das Gefühl, du misstraust allem und jedem.
  • Ich fühle, dass dir diese Arbeit nicht behagt und du sie gern an mich abschieben möchtest.
  • Mein Gefühl ist, dass Sie sich vor der Verantwortung drücken wollen.
  • Ich spüre ganz deutlich, dass dir nicht passt, was ich gesagt habe.
  • Ich fühle mich total im Stich gelassen.

Deshalb Vorsicht bei diesen Formulierungen:

Ich fühle mich…
übergangen – im Stich gelassen – benachteiligt – hintergangen – abgelehnt – missverstanden – nicht ernst genommen – erniedrigt – gedemütigt – verachtet – untergebuttert – ausgebeutet – ausgenutzt – bedrängt – bloßgestellt – brüskiert – verleumdet – eingeschüchtert – gepiesackt – schikaniert – vergewaltigt –verschaukelt – angeödet – angewidert – überflüssig – vernachlässigt – rücksichtslos behandelt – übervorteilt …

Hier sprichst du nicht von deinem Gefühl, sondern wertest dein Gegenüber ab. Ein klärendes Gespräch wird damit erschwert, denn die andere Person wird sich verteidigen wollen. Ihr landet eher bei einem Schlagabtausch als bei einem klärenden Gespräch.

Was kannst du tun?

Statt dein Gegenüber mit Vorwürfen zu traktieren, lies die Tipps weiter unten, wie du Gefühle vorwurfsfrei ausdrücken kannst.

Wenn du dagegen selbst häufig Opfer von Vorwürfen bist, verteidige dich nicht, sondern schalte um auf einfühlsames Zuhören: Wie dir einfühlsames Zuhören in einem Konfliktgespräch hilft

3. Irrtum beim Umgang mit Gefühlen: Du bist schuld, dass ich so fühle

Wir schieben gern der anderen Person die Verantwortung für unsere Gefühle zu. Unsere Sätze hören sich dann so an:

  • Du machst mich traurig, wenn du unsere Verabredung vergisst.
  • Ich bin ganz traurig, denn dir ist anscheinend ganz egal, wie es mir damit geht, wenn du erst so spät nach Hause kommst.
  • Sie machen mich ganz nervös mit Ihrer Hektik.
  • Du raubst mir den Atem, wenn du so schnell redest.

Ja, es ist sehr verlockend, andere anzuklagen und als Schuldige hinzustellen, doch Konflikte lassen sich damit nicht lösen.

Was kannst du tun?

Gefühle ausdrücken, ohne einen Vorwurf hineinzupacken

Um deine Gefühle in einer Konfliktsituation auszudrücken beginne am besten mit „Ich bin…“. Damit ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass du wirklich von deinem Gefühl sprichst. Oben habe ich erläutert, wieso ein Satzanfang „Ich fühle, dass du…“ gefährlich ist.

Ich bin…
sauer – wütend – empört – aufgebracht – aufgewühlt – entsetzt – überrascht – erschrocken – traurig – ratlos – bestürzt – fassungslos – enttäuscht – unsicher – verunsichert – verzweifelt – eifersüchtig – irritiert – frustriert,…

…, wenn du…
… etwas allein entscheidest, was uns beide angeht, …
… erst um 10 Uhr kommst, obwohl wir 9 vereinbart haben, …
… wenn du Sachen kaufst, die ich für überteuert halte, …

Achtung Falle: Bleibe eng an der Beschreibung der Situation und des Verhaltens und bring keine Bewertung hinein.
Also nicht:
…, wenn du ganz egoistisch allein entscheidest…
…, wenn du so unzuverlässig bist und erst um 10 Uhr kommst…
…, wenn du in deinem Kaufrausch schon wieder Sachen kaufst…

Als zweiten Schritt nenne dein Bedürfnis:
…, weil ich…
[und jetzt fügst du dein Bedürfnis hinzu]
… ich gern einbezogen werden möchte.
…möchte, dass du dich an unsere Vereinbarung hältst.
…den Überblick über unsere Ausgaben behalten möchte.

Auch heftige Gefühlsäußerungen sind in Ordnung, so lange sie nicht mit einer Abwertung verbunden sind.

Gefühle sind eine zentrale Komponente bei Konflikten. Sie sind eng verknüpft mit unerfüllten Bedürfnissen. Konflikte lassen sich leichter auflösen, wenn du den Fokus mehr auf die unerfüllten Bedürfnisse legst, statt den anderen als Schuldigen dingfest zu machen.

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