Warum Faire Kommunikation mein Thema ist

Was fasziniert mich am Thema Faire Kommunikation & Konfliktlösung?

Ich schreibe diesen Beitrag im Rahmen eines Blog-Bangs von Markus Cerenak. Seine Einladung an uns Blogger, über unser persönliches WARUM zu schreiben, hat mich angeregt, darüber nachzudenken, was mich am Thema Faire Kommunikation fasziniert? Wieso befasse ich mich mit diesem Thema seit 25 Jahren? Was möchte ich bewirken?

Markus Cerenak fragt in seiner Einladung zum Blog-Bang:

„Warum schreibst du deinen Blog? Worin möchtest du deine Leser unterstützen?
Warum ist deine Leidenschaft DEINE Leidenschaft? Warum?!“

Ja, warum also? Klar für mich ist, die Anziehung für das Thema Streiten hat sicher auch etwas mit den Erfahrungen in meiner Kindheit zu tun.

Manche Leute unterstellen uns Psychologen ja, wir beschäftigen uns so gern mit der Psyche, weil wir unsere eigenen Knackpunkte auflösen möchten. Da könnte etwas Wahres dran sein, wenn ich meine frühen Erfahrungen anschaue.

Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Meine Eltern waren Kleinbauern. Der Umgangston war sehr ruppig. Meine Eltern stritten oft so heftig miteinander, dass die Nachbarn kamen, um sie zu besänftigen. Vor allem meine Mutter war eine sehr kämpferische Natur, während mein Vater eher wortkarg war und einfach tat, was er tun wollte, ohne sich mit meiner Mutter abzustimmen. Das machte sie umso wütender.

Als ich zehn war, ließen sich meine Eltern scheiden und ich sah meine Mutter erst vier Jahre später wieder. Meine Eltern haben sich nie miteinander versöhnt und jeder redete bis an sein Lebensende verbittert über den andern. Die Auswirkungen destruktiver Kommunikation habe ich in meiner Ursprungsfamilie also sehr massiv und schmerzhaft erfahren.

Natürlich wollte ich das in meinen Beziehungen besser machen. Auf keinen Fall wollte ich solche Szenen erleben wie ich sie von zuhause kannte.

Streit vermeiden ist keine Lösung

Zuerst dachte ich, es wäre das Beste, lieb und nett zu sein und Streit nach Möglichkeit zu vermeiden. Das erschien mir als die klügste Lösung, um nicht in das gleiche Fahrwasser wie meine Eltern zu geraten. Vor allem wollte ich nicht so werden wie meine kämpferische Mutter. Ich war also in meinen ersten Beziehungen eher bereit, mich den Wünschen meines Freundes anzupassen. Irritiert wurde ich, als ein Freund bei einer Trennung zu mir sagte: „Du bist immer so lieb. Meine letzte Freundin war viel eigenwilliger. Das fand ich spannender.“ Irgendwas war faul an meiner Streitvermeidungsstrategie.

Zu der Zeit hatte ich schon Dutzende von Ratgebern gelesen, mit 22 schon eine erste Psychotherapie gemacht, im Laufe der Jahre etliche Selbsterfahrungsgruppen besucht und schließlich ein Psychologie-Studium begonnen. Ich wollte es wirklich wissen. Doch immer noch wusste ich nicht, wie man wirklich auf gute Weise streitet. Deshalb fiel ich immer wieder auf die Nase – beruflich und in meinen Beziehungen.

Ich wusste nicht, wie ich selbstbewusst mit schwierigen Situationen umgehen könnte. So fiel ich oft in altvertraute Verhaltensmuster:

Als Verfolger anderen Vorwürfe machen und sie abwerten.
Oder als Opfer mich selbst abwerten und mich unfähig und minderwertig fühlen.

Unter Stress brach ich oft in Tränen aus. Ich hatte zwar schon etwas von Du- und Ich-Aussagen gehört und vom aktiven Zuhören. Doch das blieb ziemlich theoretisch. Zweifellos, ich musste noch eine Menge lernen. Trotz Psychologie-Studium war ich immer noch ratlos, sobald es um persönliche Konflikte ging.

Während meines Studiums in Hamburg hatte ich die Chance, von zwei außergewöhnlichen Kommunikationsexperten zu lernen: Prof. Friedo Schulz von Thun und Christoph Thomann. Friedo ist Autor und Herausgeber der erfolgreichen Buchreihe „Miteinander reden“ und hat gemeinsam mit Christoph das Konzept der „Klärungshilfe“ entwickelt (siehe Bücher). Das fand ich alles sehr spannend.

Der Durchbruch kam 1990 mit dem Besuch des Seminars Frauenkonferenz – Effektiveness-Training für Frauen. Das Seminar basierte auf dem gleichnamigen Buch von Linda Adams, das jetzt vergriffen ist. Es war in der Konferenz-Reihe von Thomas Gordon erschienen und wird leider nicht mehr aufgelegt.

Bei mir machte es im Seminar plötzlich Klick. Das Konzept entsprach genau dem, wonach ich gesucht hatte. Es ist eine sehr konkrete Anleitung, wie man in einem Konfliktgespräch vorgehen sollte. Ich habe das Konzept übernommen und im Laufe der Jahre weiterentwickelt. Ich nenne es jetzt Faire Kommunikation.

Wichtig ist mir, das Kommunikationskonzept auf die wesentlichen Punkte zu beschränken, die für das Lösen von Konflikten notwendig sind. Es soll nicht zu sehr mit Theorien aufgebläht werden, die für den Konfliktlösungsprozess keine direkte Bedeutung haben. Mir geht es vor allem darum zu zeigen, dass du lernen kannst, Konflikte zu lösen, wenn du die folgende Kernpunkte beachtest.

Kernpunkte der Fairen Kommunikation

Abwertung erkennen

In allen Konflikten spielt Abwertung eine große Rolle. Streitende haben meist ein starkes Bedürfnis, ihr Gegenüber abzuwerten durch Du-Botschaften und indem sie die Bedürfnisse des anderen nicht akzeptieren.
>> Abwertungen – Zündstoff im Konfliktgespräch

Von der Du-Botschaft zur Ich-Aussage

Meine Erfahrung als Trainerin ist: Menschen fällt es oft unglaublich schwer, ihre eigenen Bedürfnisse, Gefühle und Wahrnehmungen auszudrücken. Wesentlich leichter geht es, über das Fehlverhalten anderer zu sprechen. Es braucht also einiges an Übung, um vom „Du bist…“ und „Du machst immer…“ zum „Ich brauche…“ und „Ich wünsche mir…“ zu kommen.
>> (Beitrag kommt noch)

In Konfliktsituationen argumentieren

Um Konfliktgespräche konstruktiv zu führen, braucht es einiges an Wissen, worauf es ankommt und welche Fallen man vermeiden sollte. Die empfohlene Gesprächsführung in der „Frauenkonferenz“ hat mich sofort überzeugt.
>> Ein faires Konfliktgespräch führen

Gefühle vorwurfsfrei ausdrücken

Ein Thema, bei dem es darum geht, viele Missverständnisse auszuräumen, was Gefühle sind und wie man sie ausdrücken kann, ohne die Verantwortung für die eigenen Gefühle anderen zuzuschieben.
>> Drei Irrtümer im Umgang mit Gefühlen

Einfühlsam zuhören / Du-Botschaften anderer entschärfen

In Konfliktsituationen ist das einfühlsame Zuhören ganz besonders wichtig, weil dadurch verhindert wird, dass ein Streitgespräch zu einem Schlagabtausch entartet. Besonders herausfordernd ist es Du-Botschaften zu entschärfen.
>> Wie dir einfühlsames Zuhören in einem Konfliktgespräch hilft

Konfliktlösestrategien für Bedürfnis- und Wertkonflikte

Diese beiden Konfliktarten zu unterschieden, ist äußerst wichtig und beugt vielen Missverständnissen vor, denn Bedürfnis- und Wertkonflikte müssen unterschiedlich angegangen werden.
>> Weshalb du Bedürfnis- und Wertkonflikte unterscheiden solltest

 

Ich freue mich über deinen Kommentar.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.