Artikel zur Fairen Kommunikation und Konfliktlösung. Konflikte fair, einfühlsam und selbstbewusst lösen.

6 Wege zum Umgang mit Wertkonflikten

Strategien zum Umgang mit Wertkonflikten

Überall – ob im Beruf oder in unseren persönlichen Beziehungen – müssen wir uns Konflikten stellen. Dabei ist es wichtig zu unterscheiden, ob du einen Bedürfnis- oder Wertkonflikt mit jemandem hast. Wertkonflikte sind anders zu behandeln als Bedürfniskonflikte. Hier lernst du 6 Wege kennen zum Umgang mit Wertkonflikten. Weiterlesen

Warum Faire Kommunikation mein Thema ist

Was fasziniert mich am Thema Faire Kommunikation & Konfliktlösung?

Manche Leute unterstellen uns Psychologen ja, wir beschäftigen uns so gern mit der Psyche, weil wir unsere eigenen Knackpunkte auflösen möchten. Da könnte etwas Wahres dran sein, wenn ich meine frühen Erfahrungen anschaue.

Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Meine Eltern waren Kleinbauern. Der Umgangston war alles andere als einfühlsam, sondern im Gegenteil äußerst grob und ruppig. Meine Eltern stritten oft so heftig miteinander, dass die Nachbarn kamen, um sie zu besänftigen. Vor allem meine Mutter war eine sehr kämpferische Natur, während mein Vater eher wortkarg und distanziert war. Er tat einfach, was er tun wollte, ohne sich mit meiner Mutter abzustimmen. So hat er auch seinen Job als Maurer gekündigt, weil ihm die regelmäßige Arbeit nicht behagte. Ihm taugte es eher, mit seinem VW-Bus zu den Bauern zu fahren. Hier und dort etwas Handel mit Schweinen zu treiben. Kleine Geschäfte halt, die nicht viel Geld brachten. Ihm genügte das. Doch er brachte kaum Geld nach Hause und meine Mutter musste schauen, wie sie die fünf und bald sogar sechs Kinder ernährte. Die Einnahmen aus der Landwirtschaft und dem Kleinhandel, den mein Vater betrieb, reichten hinten und vorn nicht. Das brachte sie total auf die Palme. Sie ging meinen Vater oft sehr wütend an. Ich sah sie einmal mit dem Schnellkochtopfdeckel auf ihn losgehen.

Als ich zehn war, hat meine Mutter einen neuen Partner gefunden und verließ unsere Familie, um sich scheiden zu lassen. Ich sah meine Mutter erst vier Jahre später wieder.

Meine Eltern haben sich nie miteinander versöhnt und jeder redete bis an sein Lebensende sehr verbittert über den andern. Die Auswirkungen destruktiver Kommunikation habe ich in meiner Ursprungsfamilie also sehr massiv und schmerzhaft erfahren. Schließlich habe ich mich von meiner Heimatgegend Würzburg entfernt. Ich wollte Abstand. Zuerst zog ich wegen dem Besuch des Hessenkollegs nach Kassel und dann für das Psychologie-Studium nach Hamburg.

Streit vermeiden ist keine Lösung

Natürlich wollte ich in meinen Beziehungen alles besser machen. Auf keinen Fall wollte ich solche Szenen erleben wie ich sie von zuhause kannte.

Zuerst dachte ich, es wäre das Beste, lieb und nett zu sein und Streit nach Möglichkeit zu vermeiden. Das erschien mir als die klügste Lösung, um nicht in das gleiche Fahrwasser wie meine Eltern zu geraten. Vor allem wollte ich nicht so werden wie meine kämpferische Mutter. Ich war also in meinen ersten Beziehungen eher bereit, mich den Wünschen meines Freundes anzupassen.

Irritiert wurde ich, als ein Freund bei einer Trennung zu mir sagte:

„Du bist immer so lieb. Meine letzte Freundin war viel eigenwilliger. Das fand ich spannender.“

Mir dämmerte: Irgendwas war faul an meiner Streitvermeidungsstrategie.

Zu der Zeit hatte ich schon Dutzende von Ratgebern gelesen und mich mit 20 schon in eine erste Psychotherapie begeben. Mit 25 – nachdem ich den Zweiten Bildungsweg durchlaufen hatte – begann ich ein Psychologie-Studium in Hamburg. Im Laufe meines Studiums machte ich etliche Selbsterfahrungsgruppen und schließlich ein Psychologie-Studium begonnen. Ich wollte es wirklich wissen. Doch immer noch wusste ich nicht, wie man wirklich auf gute Weise streitet. Deshalb fiel ich immer wieder auf die Nase – beruflich und in meinen Beziehungen.

Ich wusste nicht, wie ich selbstbewusst mit schwierigen Situationen umgehen könnte. So fiel ich oft in altvertraute Verhaltensmuster:

Als Verfolger anderen Vorwürfe machen und sie abwerten.
Oder als Opfer mich selbst abwerten und mich unfähig und minderwertig fühlen.

Unter Stress brach ich oft in Tränen aus. Ich hatte zwar schon etwas von Du- und Ich-Aussagen gehört und vom aktiven Zuhören. Doch das blieb ziemlich theoretisch. Zweifellos, ich musste noch eine Menge lernen. Trotz Psychologie-Studium war ich immer noch ratlos, sobald es um persönliche Konflikte ging.

Während meines Studiums in Hamburg hatte ich die Chance, von zwei außergewöhnlichen Kommunikationsexperten zu lernen: Prof. Friedo Schulz von Thun und Christoph Thomann. Friedo ist Autor und Herausgeber der erfolgreichen Buchreihe „Miteinander reden“ und hat gemeinsam mit Christoph das Konzept der „Klärungshilfe“ entwickelt (siehe Bücher). Das fand ich alles sehr spannend.

Der Durchbruch kam 1990 mit dem Besuch des Seminars Frauenkonferenz – Effektiveness-Training für Frauen. Das Seminar basierte auf dem gleichnamigen Buch von Linda Adams, das jetzt vergriffen ist. Es war in der Konferenz-Reihe von Thomas Gordon erschienen und wird leider nicht mehr aufgelegt.

Bei mir machte es im Seminar plötzlich Klick. Das Konzept entsprach genau dem, wonach ich gesucht hatte. Es ist eine sehr konkrete Anleitung, wie man in einem Konfliktgespräch vorgehen sollte. Ich habe das Konzept übernommen und im Laufe der Jahre weiterentwickelt. Ich nenne es jetzt Faire Kommunikation.

Wichtig ist mir, das Kommunikationskonzept auf die wesentlichen Punkte zu beschränken, die für das Lösen von Konflikten notwendig sind. Es soll nicht zu sehr mit Theorien aufgebläht werden, die für den Konfliktlösungsprozess keine direkte Bedeutung haben. Ich möchte zeigen, wie du Konflikte lösen kannst, wenn du die Kernpunkte beachtest, die ich in diesem Blog beschrieben habe.